Anti-Bias

“Bias” kommt aus dem Englischen und kann mit Voreingenommenheit, Schieflage, Vorurteil oder Einseitigkeit übersetzt werden. “Anti” bedeutet im Kontext von Anti-Bias-Trainings etwas zu hinterfragen, etwas abzulegen, aktiv gegen etwas einzutreten. “Anti-Bias” heißt also das aktive Wirken gegen Schieflagen und Voreingenommenheiten.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung

BNE ist ein anerkanntes Bildungskonzept, das die ökologische und soziale nachhaltige Entwicklung unserer Welt zum Ziel hat. BNE soll bei Menschen jeden Alters Kompetenzen wie kritisches Denken, Verantwortungs-bewusstsein gegenüber Natur und Mitmenschen, Erkennen von Zusammenhängen, Kooperationsfähigkeit, Handlungsorientierung etc fördern und soll Antworten auf die Fragen des 21. Jahrhunderts geben. BNE hat seine Wurzeln in der Umweltbildung, ist im österreichischen Lehrplan als pädagogisches Prinzip verankert, wird auf Universitäten und Hochschulen gelehrt und auf UN-Ebene weltweit unterstützt. Die UNESCO versteht unter BNE einen lebenslangen Lernprozess, der eine ganzheitliche und transformative Bildung, die die Lerninhalte und -ergebnisse, Pädagogik und die Lernumgebung berücksichtigt.

Diskriminierung

Diskriminierung wird als Ungleichbehandlung von Gruppen oder Einzelnen als Angehörige von Gruppen in vergleichbaren Situationen bzw. als Gleichbehandlung trotz unterschiedlicher Voraussetzungen aus unangemessenen Gründen verstanden. Dies kann in der persönlichen Begegnung, auf der strukturellen Ebene, z. B. durch Hausordnungen, aber auch auf der gesellschaftlichen Ebene, z. B. durch die Darstellung von Gruppen in den Medien geschehen.

Diversität / Diversity

Diversität bedeutet Vielfalt und thematisiert individuelle, soziale und strukturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen und Gruppen. Dabei handelt es sich vorwiegend um gesellschaftlich gesetzte Unterschiede wie Alter, Hautfarbe, Geschlecht, ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierungen, Behinderungen und Beeinträchtigungen. Diese Differenzlinien werden gesellschaftlich hergestellt, sie wirken in sozialen Interaktionen und bei der Verteilung von Macht und Chancen in unserer Gesellschaft (z. B. beim Zugang zu Bildung, Mitbestimmung, Rechten, Geld, Wahlrecht etc.).

Geschlecht / Gender

Geschlecht hat vielfältige Dimensionen, die in der deutschen Sprache nur unzulänglich ausgedrückt werden können. Deshalb haben sich englische Begriffe verbreitet. Hier ist erstens “Sex” zu nennen, dies beschreibt die biologisch definierten Merkmale eines Körpers (auch biologisches Geschlecht). Zweitens wird der Begriff “Gender”, auch soziales Geschlecht) verwendet. “Gender” bezieht sich auf die individuelle Praxis gegenüber gesellschaftlich gegebenen Regeln, Erwartungen, Positionen und Identifikationsangeboten, die einen Geschlechterbezug haben, wie z. B. Kleidung oder Konfliktverhalten. Hier ist auch noch zwischen Geschlechtsidentität z. B. als Frau und Geschlechtsausdruck, d. h. wie ich mich kleide und bewege zu unterscheiden, da Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck nicht ident sein müssen. “Gender” berührt aber auch die Beziehung zwischen den Geschlechtern und die Muster, wie die soziale Praxis in Organisationen und Staaten geregelt wird, z. B. über die Zuweisung von Arbeit über Geschlecht. Die dritte Dimension “Desire” bezieht sich auf sexuelles Begehren und sexuelle Aktivitäten.

Globales Lernen / Global Citizenship Education

Das Konzept des Globalen Lernens hat sich in den 1990er Jahren entwickelt und hat seine Wurzeln in der Friedenserziehung, Menschenrechtsbildung, Umweltbildung und “interkulturellem Lernen”. Wie kann Leben und Lernen in einer zunehmend globalisierten und digitalisierten Welt gelingen? Kritisches Denken, das Verknüpfen von globalen Zusammenhängen mit lokalen (“glokal”), der Umgang mit Widersprüchen und Gleichzeitigkeiten, Kooperationsfähigkeit etc. sind die wichtigsten Kompetenzen, die individuell und kollektiv vermittelt werden sollen. Seit ein paar Jahren hat sich auch in Österreich das Konzept in Richtung “Global Citizenship Education” weiterentwickelt, das vor allem den Aspekt der Politischen Bildung und die Notwendigkeit einer kosmo-politischen Bildung mit weltbürgerlicher Verantwortung betont. Globales Lernen/ Global Citizenship Education und Bildung für Nachhaltige Entwicklung überschneiden sich in vielen Bereichen und haben vor allem den transformativen Ansatz in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung unserer Welt gemeinsam.

Intersektionalität

Intersektionalität meint, dass die Kreuzung (Intersection) mehrerer Zuordnungen zu Gruppen (Differenzlinien) die individuelle gesellschaftliche Positionierung bestimmt. Damit kann jede Person durch mehrere Differenzlinien charakterisiert werden, z.B. als weiße, muslimische, lesbische Akademikerin in prekären Arbeitsverhältnissen in eingetragener Partnerschaft mit Versorgungspflichten für Kinder. Aus der Perspektive der Intersektionalität ergibt sich die gesellschaftliche Position einer Person nicht durch einfache Addition/Subtraktion von einzelnen Diskriminierungen/Privilegierungen. Ein genaues Hinsehen auf komplexe Zusammenhänge ist gefordert, da diese Differenzen kontext- und zeitabhängig sind (z. B. Staatsangehörigkeit, Alter).

Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit wurde erstmals von Hans Carl von Carlowitz im Jahr 1713 für die Wald- und Forstwirtschaft genannt. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Begriff vor allem in der Umwelt- und Entwicklungspolitik etabliert, wird aber aktuell vielseitig benutzt. Im Brundtland-Berich (1987) der UNO wird Nachhaltigkeit als Entwicklung genannt, dh. die auf die Gegenwart und die Zukunft ausgerichtet ist. Nachhaltigkeit kann als “eine Form des ökologischen und ökonomischen Handelns verstanden werden, die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen vergleichbare oder bessere Lebensbedingungen sichern soll, indem das dazu notwendige Element sorgsame Anwendung findet und entsprechend geschützt wird. Im Zentrum der Nachhaltigkeit stehen ökologische, soziale und ökonomische Aspekte” (Lexikon der Nachhaltigkeit). Es gibt unterschiedliche Nachhaltigkeitsmodelle, Nachhaltigkeit kann als normatives Leitbild, aber auch als Handlungsapell verstanden werden.

Privilegierung

Privilegierung bedeutet vor allem einen bevorzugten Zugang zu Ressourcen, dies können z. B. Bildung, Geld, Netzwerke sein. Gesellschaftliche Institutionen arbeiten im Sinne des eigenen Kollektivs, indem z. B. rechtliche Regelungen auf die Bedürfnisse dieser Gruppe zugeschnitten sind. Als Angehörige*r einer privilegierten Gruppe kann ich die eigenen Werte als universell ansehen und mich der sozialen Norm zugehörig fühlen. Die eigene Positition wird als natürlich gegeben oder als Resultat eigener Leistung gesehen, damit bleiben die sozialen Prozesse hinter der Privilegierung den Privilegierten oft unbewusst.

SDGs (Sustainable Development Goals - Nachhaltige Entwicklungsziele der UNO)

Die UNO hat im September 2015 die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen verabschiedet. Diese haben die Transformation und die nachhaltige Entwicklung unserer Welt als Ziel. Erstmals werden Ökologie, Soziales und Wirtschaft zusammengedacht, im Unterschied zu den MDGs (2000 – 2015) , die insbesondere den globalen Süden betrafen, gelten die SDGs für alle Staaten. In den Zielen sind Indikatoren für folgende Themen verankert: Frieden, Bekämpfung von Armut, Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft, Klimawandel, Wasser und Hygiene, Bildung, Gleichstellung der Geschlechter, Gesundheit, nachhaltige Produktion und Wirtschafswachstum, die Stärkung von Partnerschaften zur Erreichung der Ziele etc. Alle UN-Mitgliedsstaaten sollen die Ziele bis 2030 umsetzen. Die Notwendigkeit von Bildung für Nachhaltige Entwicklung/ Global Citizenship Educationen werden im SDG 4 (Hochwertige Bildung) hervorgehoben.

Sozialer Wandel / Social Change

Sozialer Wandel betrifft eine Vielfalt von Lebensbereichen: Wie wir arbeiten, wie wir unsere privaten Beziehungen gestalten, mit wem wir zusammenleben, welche Normen und Regeln in einer Gesellschaft gelten, wie Institutionen ihre Angebote und Abläufe gestalten, wie wir Demokratie leben, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen. Gesellschaften unterliegen einem beständigen Wandel, sie entwickeln sich, sie sind in Bewegung. Darüber, wo es hingeht bzw. hingehen soll, gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze und Zielvorstellungen. Theorien des Sozialen Wandels beschäftigen sich mit den Ursachen und den Folgen dieses Wandels. Dabei gibt es verschiedene Zugänge, manche betonen den Aspekt der Modernisierung, die sich z. B. in Zweckrationalität und Fortschrittsglauben, aber auch Individualisierung äußert, andere richten ihr Augenmerk auf privatwirtschaftliche Prozesse oder auf Faktoren wie geschichtliche Ereignisse, Kultur und Politik, die die gesellschaftliche Entwicklung einzelner Länder und Regionen bestimmen. Modelle des Sozialen Wandels wie Postindustrielle Gesellschaft, Risikogesellschaft, Multikulturelle Gesellschaft sind in diesem Zusammenhang wichtige Konzepte.

Stereotypen

Stereotypen sind verallgemeinernde Aussagen über Gruppen: “Alle Frauen sind…”. Fremdgruppen – “die Anderen” – werden homogen wahrgenommen, die Eigengruppe – “wir” – hingegen differenziert. Wenn in einem Restaurant kein Tisch mehr frei ist und wir uns zu anderen an den Tisch setzen sollen, läuft in unserem Denken in Sekundenschnelle ein Prozess ab, der die Grundlage der Entscheidung ist, welche Person wir ansprechen und fragen, ob bei ihr oder ihm noch ein Platz frei ist. Grundlage für diese Entscheidung ist die Zuordnung der Menschen im Raum entlang von Merkmalen. Wir sehen Menschen, ihr Geschlecht, ihre Hautfarbe, ihre Kleidung und ordnen sie anhand dieser Merkmale zu Gruppen zu. Diese Zuordnung erfolgt entlang der Muster, die wir gelernt haben, diese Muster geben uns Orientierung, gerade dadurch, dass dies automatisch abläuft, wir nicht nachdenken müssen. Alle Menschen brauchen Stereotype, weil sie sonst die Welt in ihrer Komplexität mit den vielen Informationen, die auf uns einströmen, nicht verarbeiten könnten. Damit helfen Stereotypen als Filter und Orientierungshilfe. Eines dieser Muster, nachdem gefiltert wird, ist die Einteilung der Welt in Vertrautes und Fremdes oder auch in die Gruppe der „Eigenen“ und in die Gruppe der „Anderen“.

Vorurteile

Vorurteile sind Stereotypen, die mit Emotionen und Bewertungen besetzt sind. Die Urteile können sich auf Verhaltensweisen, Gewohnheiten, Fähigkeiten oder Erwartungen gegenüber anderen beziehen. Jemand als „anders“, nicht „zu uns“ gehörig zu bezeichnen, dient oft dazu, Menschen abzuwerten und auszugrenzen. Und hier wird unsere automatisierte Zuordnung problematisch. Da Vorurteile auf dem Boden gesellschaftlicher Verhältnisse wachsen, sind sie auch keine bloße Privatsache oder ein individuelles Fehlverhalten, denn sie schlagen sich auch in Gesetzen, Institutionen nieder und stützen so die gesellschaftliche Ungleichheit. Ein Beispiel dafür ist das Apartheidsregime in Südafrika, indem u. a. der Ausschluss der „Nicht-Weißen“ aus dem höheren Bildungssystem mit ihrer Bildungsunfähigkeit begründet wurde. Vorurteile in Verbindung mit einer gesellschaftlich privilegierten Position und der Handlungsmacht in einer konkreten Situation können zu Abwertungen und damit zu Diskriminierung führen, wobei diese sowohl bewusst wie auch unbewusst ausgeübt werden kann.